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Griechenlandhilfe, die den Namen verdient

12. April, 2010 · 2 Kommentare


Photo credit: kevinrosseel from morguefile.com

Wie schon einmal hingewiesen: Was die EU vor einigen Wochen als Rettungsplan bezeichnete, war eigentlich nur pure Absichtserklärung, die die Märkte nicht beruhigen konnte. In erster Linie war die unter dem Druck der deutschen Regierung zustande gekommene Formulierung “Hilfeleistungen zu Marktzinsen”, falls Griechenland am Kapitalmarkt keine Mittel mehr aufnehmen könne, ein ziemlicher Unsinn. Zumindest grenzte dies eher an der Verweigerung von Hilfe als an einer brauchbaren Unterstützung.

Denn “Marktzinsen” wird es für Griechenland schon geben (es sei denn das Finanzsystem stürzt in eine wahnsinnige Katastrophe), diese können allerdings 10, 15 oder 20 Prozent betragen. Wo ist die Hilfe?

Zum Glück haben sich die anderen EU-Finanzminister durchgesetzt (das ist wenigstens, was wir an der Oberfläche sehen können) und bieten Griechenland ca. 45 Mrd. Euro zu vernünftigen Konditionen an. Wenn Griechenland diese Hilfe in Anspruch nehmen will, wird es niedrigere Zinsen zahlen müssen als derzeit am Kapitalmarkt:

Die Zinssätze der Hilfen richten sich nach den Konditionen des IWF. Variabel verzinste Darlehen nehmen als Basis den dreimonatigen Euribor. Kredite mit festen Sätzen basieren auf den Euribor-Swapsätzen plus einem Aufschlag von 300 Basispunkten. Für Laufzeiten von mehr als drei Jahren werden zusätzlich 100 Basispunkte fällig. Hinzu kommt noch eine Einmalgebühr von maximal 50 Basispunkten.

FTD.de, Was auf Griechenland zukommt

Momentan bedeutet dies ca. 5% statt über 7% am Markt vor Bekanntgabe des Angebots.

Die deutsche Politik im Fall Griechenland wurde international bereits stark kritisiert. Aktuell rügt auch Nobelpreisträger Joseph Stiglitz die Bundesregierung — diese habe die Situation unnötig verschärft und die Finanzstabilität nicht nur in Europa, sondern auch im eigenen Land beeinträchtigt. Zumal Stiglitz die finanzielle Verfassung Griechenlands bei weitem nicht so düster beurteilt:

Nach Stiglitz’ Diagnose gibt es im Falle Griechenlands keinen objektiven Grund für eine Staatspleite, anders als es etwa bei Argentinien Anfang der 2000er-Jahre der Fall gewesen sei. Zwar seien die griechischen Staatsschulden mit 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sehr hoch. Es gebe anders als etwa in den USA aber keine Finanzblase, die geplatzt sei und jetzt überwunden werden müsse.

Wenn Griechenland wirtschaftliche Probleme habe, dann vor allem als Folge der globalen Krise, die zwei wichtige Sektoren des Landes treffe: den Schiffbau und den Tourismus.

FTD.de, Griechenland-Hilfe hilft den Deutschen

Nun, rosig ist die Lage nicht und die wenig produktive griechische Wirtschaft wird schon Einiges brauchen, um dauerhaft stabilisiert zu werden. Aber nach diesem Wochenende kann man erstmal gut aufatmen.

Kategorien: Frontpage · Gesamtmarkt · Zinsen

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2 Kommentare bis jetzt ↓

  • egghat // 12. Apr, 2010

    Stiglitz liegt mit der Diagnose ja völlig neben der Spur. Griechenland “fundamental gesund”. Keines der Defizite Griechenlands ist neu. Weder das Leistungsbilanzdefizit noch das Haushaltsdefizit. Keine Ahnung, wie man auf eine solche Diagnose kommen kann …

    http://egghat.tumblr.com/post/515323174/stiglitz-griechenland-gesund

    Außerdem finde ich die 300 Basispunkte Zinssatz tendenziell zu hoch. Das wird zu weiter steigenden Zinskosten führen und einen ganzen Teil der Sanierungsbemühungen ad absurdum führen. Am langen Ende ist der Strafzins sogar so hoch, dass die Refinanzierung am Markt trotz des hohen Zinsniveaus billiger ist als die “Hilfe” der Euroländer …

  • Franky // 12. Apr, 2010

    300 Punkte Starfzins sind zu viel. Griechenland wird auch 300 Punkte mehr Wachstum haben müssen. WOher? Hoffentlich hat Stiglitz recht, aber glauben kann ich es nicht.

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