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Unangenehmer Inflationdruck

18. Mai, 2007 · 1 Kommentar

Egghat’s Blog spricht ein schwieriges und immens wichtiges Thema an: die Messung und die Glaubhaftigkeit der (offiziellen) Inflation-Statistik. In seinem Beitrag verweist er auf The Big Picture, (Inflation Errors, Part I und Part II), wo wissenswerte Details diskutiert werden.

Auch wenn man die offiziellen Zahlen (etwa für die USA) nimmt, ist die Inflation spürbar zu hoch. Der Punkt ist aber, dass – und hier kann ich auf jeden Fall zum Teil zustimmen – die von den Menschen gefühlte (registrierte) Inflation deutlich höher ist als die amtlich ausgewiesene.

Und das gilt nicht nur bei der Frage, ob man sich bei der Inflationsstatistik auf die Gesamt- oder die Kerninflation bezieht. Egghat weist darauf hin, dass die Kerninflation seit Jahren nicht mehr in der Art schwankt, wie es sich gehört, sprich: um die Werte der Gesamtinflation herum (mal höher, mal niedriger). Sie weist einen Trend aus, der nicht mehr herausgerechnet werden sollte.

The Big Picture (sich auch auf PIMCO’s Bill Gross und Wolfgang Munchau (FT) beziehend) geht noch einen Schritt weiter und legt uns nah, dass die offizielle Inflationsmessung (mittlerweile) die Realität schlichtweg nicht korrekt repräsentiert. In modellhaften, für eine ganze Wirtschaftsregion geltenden Durchschnittsverfahren ist dies auch sehr schwierig, aber die Abweichungen seien substanziell geworden.

Mit einem Wort: die Inflation ist hoch, zu hoch, und auf jeden Fall höher als die offiziellen Zahlen. Und dies auch weltweit (zitiert werden konkret USA, Deutschland, UK, Südkorea).

Die EZB und die Bank of Japan (meint Bill Gross) orientieren sich daher zumindest stärker an die Gesamtinflation, wohingegen der Fed nachgesagt wird, viel mehr die Kerninflation bei ihren Entscheidungen zu gewichten. Auf jeden Fall können wir von einem Umfeld der insgesamt eher steigenden Zinsen ausgehen und von doch niedrigeren Wahrscheinlichkeiten für eine Zinssenkung als es uns lieb ist.

Als zweites sollte man sich fragen, wie sich die eventuell höheren tatsächlichen Inflationswerte auf seine Investments auswirken werden (falls man lange Anlagepreioden berücksichtigt, wie z.B. für die Altersvorsorge, beim langfristigen Sparen, bei einem langfristigen Aktien-Depot etc.). Denn sie wird unweigerlich an die Kaufkraft zehren. Im Zweifel sollte man mit niedrigeren Realzinsen rechnen als zur Zeit anhand der offiziellen Inflation berechnet. Dann wären dies aber recht magere Renditen.

Wie Egghat in einem ganz frischen Posting noch hervorgehoben hat, sind die Aktien zumindest “inflationsgeschützt”, denn ihr Wert wird durch die Inflation nominell begünstigt. Ich habe da kurz kommentiert:

Aber genau wie die Inflation auf langer Sicht die Aktien nominell begünstigt, hat sie über die höheren Zinsen kurz- bis mittelfristig einen negativen Einfluss auf sie.

Im Moment kann ich keine große Besorgnis bei den langfristigen Anleihe-Investoren bezüglich dieser hohen (und eventuell sogar noch höheren) Inflation beobachten. Das kann aber noch kommen und dies stellt die größte Gefahr für die Märkte aktuell. Zwar macht der Bund Future seit einiger Zeit schon ungünstige Bewegungen nach unten, das absolute Niveau ist noch ok (zudem im wirtschaftlich guten Aufschwungsumfeld). Trotzdem erinnert mich diese Schwäche an die Zeit vor der letzten Mai-Korrektur.

Übrigens, auch ganz zu Anfang dieses Blogs habe ich etwas über die Inflationsmessungen (insb. die hedonische Messung) geschrieben.

Kategorien: Frontpage · Inflation

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1 Kommentar bis jetzt ↓

  • Inflation, Fed und Irrtümer  • Börsennotizbuch // 19. Jul, 2007

    [...] Mann darf jedoch einen Blick auf die Inflationszahlen vorschlagen: es ist wahr – in den letzten Jahren sind die Bedenken berechtigt. Die Frage ist trotzdem, inwieweit man sich auf die Entwicklungen der letzten Jahre (sehr starker Anstieg der Rohstoffpreise inmitten einer stark wachsenden Weltwirtschaft) verlassen kann? Ich weiß nicht, ob wir eine so fundamental andere Lage seit 2003 haben. Vorher ist die gewohnte Beziehung von einer stärker um die Kerninflation schwankender Gesamtinflation einigermaßen gut erkennbar: vgl. langfristiger Inflationschart (CPI und PPI mit Kernraten, USA). Ansonsten hier steht auch was zum Thema. [...]

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