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Börsennotizbuch

Ein seriöses, aber lockeres Gespräch über die Börse
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Größte Bewährungsprobe für den Euro?

8. Februar, 2010 · 1 Kommentar


Photo credit: dwf1 from morguefile.com

Die Financial Times Deutschland nennt die aktuelle Lage am Devisenmarkt die “größte Bewährungsprobe des Euro” und schreibt sogar, dass der Kapitalmarkt den Euro abgeschrieben hat”. Soweit kann man — denke ich — nicht gehen.

Ein aktueller Kurs von ca. 1,36 Dollar für den Euro signalisiert noch lange keine Krise in den suggerierten Dimensionen. Immer noch kann man den Euro sogar als zu teuer bezeichnen, etwa anhand der realen Kaufkraft. Zwar wird die Letztere von den Devisenmärkten nur selten reflektiert, aber von einem “Abschreiben” kann wohl nicht die Rede sein.

Was allerdings der Fall sein kann, ist, dass sich die Stimmung gewandelt hat, und dass sich die Trader immer mehr auf die Schwächen der Gemeinschaftswährung einschießen. Dies macht eine Trendwende wahrscheinlich, was aber eher Positives mit sich bringt. Wir haben doch nur vor wenigen Monaten den Euro-Höhenflug besorgt beobachtet und sogar über EZB-Interventionen spekuliert.

Etwaige Euro-Panik scheint mir daher nicht nur unbegründet, sondern vielmehr die falsche Interpretation der Entwicklung.

Kategorien: First · Währungen

Blogger-Sentiment

Too Big To Fail vs. Too Many To Fail

9. Februar, 2010 ·

Zitat des Tages: Too Big

“Proponents of this idea somehow fool themselves into believing that one and two halves are not the same; in an industry that is fundamentally predicated upon mimicry, the likelihood of ten smaller firms engaging in risky behavior or one large firm engaging in such behavior is at best the same and at worst greater due to heightened competition”.

Naufal Sanaullah äußert sich gegen die verbeitete Meinung, dass man die großen Banken “zerschlagen” soll, um die “Too-Big-To-Fail”-Problematik zu entschärfen, Seeking Alpha

Ich erlaube mir folgende Umformulierung: Es ist gar nicht sicher, ob man viel gewinnen würde, wenn man Too-Big-To-Fail quasi mit Too-Many-To-Fail ersetzt. Denn auch die vielen kleinen Finanzinstitute würden ohne neue Regulierung vermutlich wieder zu hohe Risiken eingehen und — gegeben eines hohen Grades an Vernetzung sowie Konkurrenz — ein zusammengenommen ähnlich hohes Risiko für das System darstellen.

Das erinnert mich an den Glauben, dass durch Derivate das Kapitalmarktrisiko auf “viele Schulter” verteilt und somit tragbarer wird. Im Prinzip stimmt das, aber nur solange wir die “vielen Schultern” doch nicht überladen. Mit einem Wort: Es ist was dran…

Kategorien: Frontpage · Gesamtmarkt

Drohender Zusammenbruch des Kupfer-Preises?

8. Februar, 2010 ·


Photo credit: gracey from morguefile.com

Das Kupfer, schreiben Pacific Partners Capital Management in ihrem Blog, sei ein Ph.D. (Doktor) in Wirtschaftswissenschaften: Seine Fähigkeit die Wendungen der breiten Wirtschaft vorauszusehen, seien beeindruckend. So ist der Kupfer-Preis 2008 scharf gefallen, um sich 2009 schnell wieder zu erholen. Alles recht frühzeitig. In den letzten Wochen fällt der Preis wieder…

Pacific Partners Capital Management schauen sich genauer die Nachfrage- und Angebotsverhältnisse an. Denn ihnen sind die Argumente, wie sie am Markt öfters zu hören sind, einfach zu dünn. Die Trader würden sich allzu leichtfertig auf die (unverifizierte) “Nachfrage aus China” als Garant für steigende Kurse verlassen…

Die Letztere ist dabei alles andere als robust. Sie ist auffällig rückgängig, so zumindest die von den Autoren aufgezeichnete Entwicklung (s. Link unten). Außerdem steigen die Kupfer-Lagerbestände (inventories) ziemlich steil. Beides ergibt ein recht anfälliges Bild. Der Doktor mahnt also zu Vorsicht, was die Weltkonjunktur und auch die Aktienmärkte anbelangt…

Mehr zu lesen und zu sehen: Copper Collapse Coming? What You Need To Know?

Kategorien: Frontpage · Rohstoffe

Euro-Links: Krise und Miese?

8. Februar, 2010 ·

Gutes aus deutschen Blogs: Euro

Dass wir bloß nicht in eine Euro-Panik verfallen sollen, habe ich eben geschrieben. Aber die Turbulenzen um die Gemeinschaftswährung und die südländischen Finanzen sorgen schon für eine intensivere Berichterstattung. Hier ein paar Links aus der Blogosphäre:

  • Was machen wir mit Griechenland: Retten oder untergehen lassen? (Verlorene Generation).
  • Staatsbankrott-Risiken: Die CDS-Statistik (Verlorene Generation).
  • Sprachstylistisch gewagt: “Griechenland sollte ausscheiden müssen” (Wirtschaftliche Freiheit).
  • Währungen? Ist denn der Yuan wirklich unterbewertet? (WirtschaftsWunder).
  • “Die Krise der Pigs hat Ähnlichkeit mit der Schweinegrippe: Die Stimmung ist viel schlimmer als die Lage. Dumm ist nur, dass die Stimmung zwar die Ausbreitung von Grippeviren nicht beinflusst, aber sehr wohl die Ausbreitung von Problemen an den Kapitalmärkten” — auch zur Notwendigkeit gemeinschaftlicher Eurobonds (Global Markets).
  • Gutenberg hat auch die Gelddruckerpresse erfunden (Weissgarnix).

Kategorien: Frontpage · Währungen

Die Steuersünder und die anderen Sünder

8. Februar, 2010 ·

Zitat des Tages: Steuerhinterzieher

“Der Steuerhinterzieher postuliert eine Umwelt, die moralisch besser ist als er selbst”.

Thomas Strobl zum Sprießen neuer Steuersünder-CDs und der paradoxen (moralischen) Lage, in der sich die Steuersünder wiederfinden, Weissgarnix.de

So zum Beispiel müssen sich die Steuersünder darauf verlassen, dass Andere der (prinzipiell ähnlichen) Geldgier eben nicht nachgeben und ihre Daten nicht weiterverkaufen…
 

Kategorien: Frontpage · Gelesen · Gesamtmarkt

Blogger-Sentiment: Eher unentschlossen

8. Februar, 2010 ·

Blogger-Sentiment 08.02.2010: Logo
Blogger-Sentiment 08.02.2010: Index Werte

Keine große Stimmungsänderung bei den deutschen Börsenbloggern. Aus den Ergebnissen unserer wöchentlichen Umfrage lässt sich im Zweifel nur eine leicht wachsende Unentschlossenheit ablesen.

Kurzfristig steht die Mehrheit (genauer: die Hälfte) der Börsenblogger auf der bullishen Seite. Dies ist allerdings etwas weniger als letzte Woche. Gleichzeitig ist die Anzahl der bearishen Stimmen auch gesunken. Der kurzfristige Sentimentindex bleibt daher nahezu unverändert: Er sinkt nur leicht auf +20 Punkte.

Auch die mittelfristigen Perspektiven werden fast genauso beurteilt wie bei der letzten Erhebung. Bullen, Bären und “Neutrale” weisen nahezu gleiche Stimmanteile auf. Nennenswerte Verschiebungen gibt es nicht. Der 6-Monate-Sentimentindex fällt nur leicht auf +10 Zähler.

Interessanterweise hat die laufende Korrektur an den Aktienmärkten die Stimmung also fast gar nicht berührt. Nachdem wir vor 3 Wochen eine höhere “Volatilität” gesehen haben, haben sich die Positionen scheinbar wieder verfestigt.

Blogger-Sentiment 08.02.2010: Stimmen Anteile

Blogger-Sentiment 08.02.2010: Index Verlauf

Blogger-Sentiment 08.02.2010: Bullen vs. Bären

Kategorien: Frontpage · Sentiment

Der etwas andere Krisengewinn des Euro…

5. Februar, 2010 · 2 Kommentare


Photo credit: clarita from morguefile.com

Vielleicht sollte ich mich (wieder) als Trader versuchen…

“Lose Gedanken” vom 30. Januar, letzten Samstag:

Darin kann man leider kein Zeichen von Stärke erkennen, sondern vielmehr den Hinweis, dass die aktuelle Korrektur noch nicht abgeschlossen ist. Die Börse spielt – für mich schon evident – immer mehr ein Double-Dip-Szenario durch.

Und hier sind wir: Die Korrektur geht weiter. In ihrem Zentrum stehen die “Sorgen um die Staatsschulden in Europa”. Dazu gibt es einen lesenswerten Kommentar in der FTD mit einigen — wie ich finde — sehr richtigen Bemerkungen.

Zum Beispiel: Das Euro-Problem an der “Peripherie” wird mit dem Dollar-Problem in Kalifornien verglichen. Die Dimensionen sind ähnlich, die Lage im sonnigen US-Staat sogar etwas angespannter. Trotzdem glaubt keiner am Devisenmarkt, dass der Dollarraum auseinander bricht…

Der Euro-Raum hat seine Schuldensorgenkinder, der Dollar-Raum ebenfalls. Der Unterschied liegt in der unterschiedlich langen Historie der Währungsräume, die Marktteilnehmern jeweils ein völlig anderes Gefühl dafür geben, wie schlimm die Dinge sich entwickeln können.

Zitat: FTD, Link oben

Dazu gesellt sich noch ein positiver Nebeneffekt:

Die deutsche Exportindustrie sollte den griechischen Lügenbolden außerdem zutiefst dankbar sein. Denn sie haben einen dauerhaften Anstieg des Euro über 1,60 $ verhindert und die Währung in für sie wieder viel komfortablere Regionen gebracht.

Zitat: FTD, glieicher Link oben

Vielleicht kann man vom Euro als Krisengewinner in eben diesem Sinne sprechen … ;-)

Kategorien: Frontpage · Währungen

Noch ein bisschen Crash-Propheten

4. Februar, 2010 ·

Old Days: Crash Propheten

Da wir gerade über Crash-Propheten redeten, wollte ich an Peter Schiff erinnern — er schmückt sich nämlich auch mit einem solchen “Titel”…

Aus dem Beitrag “Peter Schiff: Hatte er recht oder nicht?”, 22. Juni, 2009:

Peter Schiff soll einer der wenigen und lange ignorierten Experten gewesen sein, die den Zusammenbruch der US-amerikanischen Wirtschaft und der US-Börsen vorausgesagt haben. Seine Analysen basierten auf verschiedenen Erkenntnissen (Überschuldung, schwindendes produktives Gewerbe, Außenhandelsdefizite, Immobilienblase etc.), die jetzt allerorts als die Ursache für die Krise beklagt werden. Also hatte Peter Schiff eindeutig recht?

Nun, so einfach ist es nicht, aber um Eindruck zu erhalten, können Sie sich das Video mit Peter Schiff bei Comedy Central anschauen, das zumindest etwas lustig ist (und dann lesen Sie bitte weiter):

The Daily Show With Jon Stewart Mon - Thurs 11p / 10c
Peter Schiff
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political Humor Health Care Crisis

 
 

 

Kategorien: Frontpage · Prognosen

KfW: Vorsichtig optimistische Stimmung des Mittelstands zu Anfang des Jahres

4. Februar, 2010 ·

Die KfW meldet eine “vorsichtig optimistische Stimmung” im deutschen Mittelstand. Das von der Bankengruppe gemessene Geschäftsklima hat sich zum zehnten Mal in Folge verbessert, insbesondere bei den Großunternehmen. Mittlerweile spricht man von einem positiven Branchenklima in allen Bereichen, außer im Verarbeitenden Gewerbe. Dennoch müssen die Unternehmen mit anhaltendem Preisdruck (fehlendem Spielraum für Preiserhöhungen) und Unterauslastung der Kapazitäten kämpfen (das sind übrigens — kompakt wiedergegeben — die Gründe, warum ein baldiger Inflationsanstieg wenig wahrscheinlich ist, auch wenn die Geldmengen wachsen mögen und die Zinsen insgesamt günstig sind).

Aus der Pressemeldung:

Die Aufwärtsbewegung des mittelständischen Geschäftsklimas setzt sich im Januar 2010 fort. Gegenüber Dezember steigt dieser zentrale Indikator des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers um 1,6 Zähler. Lage- und Erwartungskomponente trugen in annähernd gleichem Ausmaß zu der Aufhellung bei. Dieser zehnte Geschäftsklimazuwachs in Folge beschert dem Mittelstand einen vorsichtig positiven Start ins neue Jahr: Mit 2,8 Saldenpunkten liegt die Stimmung Anfang 2010 zum zweiten Mal nacheinander leicht oberhalb des konjunkturneutralen langfristigen Durchschnitts, der konzeptionell mit der Nulllinie identisch ist. Allerdings verharren die Urteile zur aktuellen Geschäftslage (-2,3 Saldenpunkte) trotz erneuter Verbesserung noch im negativen Bereich, während die Geschäftserwartungen (8,1 Saldenpunkte) bereits seit einigen Monaten überdurchschnittlich sind.

Kategorien: Frontpage · Gesamtmarkt · Research · Sentiment

Leuschels Crash-Warnungen: “Das Timing ist natürlich immer ein Pro­blem”.

4. Februar, 2010 · 1 Kommentar

Crash-Propheten

Unser alter Bekannter Roland Leuschel meldet sich wieder mit – was sonst? – düsteren Prognosen und Crash-Warnungen per Interview für die Financial Times Deutschland.

Die Zeitung macht schon einige richtige Bemerkungen und stellt mitunter “bissige” Fragen, die auf den anscheinend permanenten Pessimismus des ehemaligen Chefstrategen der belgischen Banque Bruxelles Lambert und seine letzten Prophezeiungen (2004: Dax wird auf 2000 Punkte abstürzen) hinweisen.

Hierzu könnten noch die Beiträge interessant sein:

Das Problem ist in der Tat, dass ein hartnäckiger Pessimismus sich irgendwann natürlich in Form einer richtigen Prognose “auszahlt”. Zumindest medial. Aber ist es denn nicht so, dass die Börsen immer Auf und Abs haben, dass eine Hausse stets durch Baisse abgelöst wird?

Aber zum aktuellen Interview:

Es gibt schon einige Punkte, die Beachtung verdienen. Eigentlich ein Punkt: Crash am Anleihemarkt.

Der Rest ergibt sich mehr oder weniger direkt daraus: Staatspleiten und hohe Inflation (Leuschel benutzt das Wort “Hyperinflation”, um Teuerungsraten von ca. 10 Prozent in den USA und ca. 5 Prozent in Euroland zu bezeichnen, was schon erheblich wäre, aber jetzt nichts mit “hyper” zu tun hat).
Hier weiterlesen →

Kategorien: Frontpage · Gesamtmarkt · Mainstream-Media · Prognosen

Schwache Nachfrage nach Diesel und Benzin. Raffinerien werden geschlossen.

2. Februar, 2010 · 1 Kommentar

Öl, Benzin, Raffinerien

Na, so was …

Eine schwache Nachfrage nach Produkten wie Diesel oder Benzin setzt den Ölkonzernen zu - und führt zu einem massenhaften Raffineriesterben. Im sogenannten “Downstream”-Geschäft verbuchte die Branche im vierten Quartal 2009 durchgehend hohe Verluste.

FTD.de, Weltweites Raffineriesterben wegen sinkender Ölnachfrage

Wo ist denn der “unstillbare Energiehunger”? Auf jeden Fall hier nicht zu sehen. Leider bedeuten diese Signale, dass die Konjunkturerholung sehr viel zu wünschen übrig lässt. Wenigstens hat BP den Umsatz gesteigert…

Der Ölpreis ist zuletzt auch etwas gefallen, befindet sich aber noch in (für die Öl-Produzenten) recht akzeptablen Regionen zwischen $70 und $80 pro Barrel.

Kategorien: Frontpage · Mainstream-Media · Rohstoffe

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8. Februar, 2010

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